Rezensionen

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Intersolarmesse Europa 2016 – ein Messebericht

Rezension von Benjamin Weiss


Beim erstmaligen Ablaufen der insgesamt sechs Messehallen war ich erst mal schwer beeindruckt ob der Größe, der Vielzahl an Ausstellern und der Quote namhafter Konzerne. Neben vielen kleinen, auf die Entwicklung von Solarpanels und Speichern spezialisierten Unternehmen, waren gleichzeitig alle Großkonzerne die Rang und Namen und gleichzeitig irgendwie eine Sparte rund um Solarenergie haben vertreten. Neben den logischen Kandidaten wie Eon, EnBW und RWE belustigte mich vor allem die Anwesenheit der sonst weniger für Nachhaltigkeitsthemen bekannten BayWa und der BayernLB. Die Intersolarmesse scheint ein bisschen wie der Wiener Opernball ein derartiges Potential an gutem Image und Prestige bereit zuhalten, dass man sogar erscheint wenn man eigentlich gar nicht tanzen kann.

Neben der Vielzahl an großen Konzernen überraschte mich auch die Zahl an Ländern und Städten, die sich als Standort für Erneuerbare Energien beworben haben. Neben den Ländern Sachsen Anhalt, Baden- Württemberg und Bayern fand ich vor allem die „Green City“ Freiburg interessant. Aus meinem Gespräch mit einer Messehostess ging hervor, dass die Stadt sich 1975 erfolgreich gegen die Ansiedlung eines Kernkraftwerkes gewehrt hatte und von dort an sich für den Umstieg auf grüne Energien einsetzte. Nach Tschernobyl wurden entsprechende Energiekonzepte ausgearbeitet, 1996 erfolgte dann ein Beschluss zur Reduktion des CO2 Ausstoßes um 25% bis 2010, 2007 wurde dieser Beschluss auf 40% bis 2030 fortgeschrieben. Als Ziel für die Zukunft wurde mir die Klimaneutralität für das Jahr 2050 genannt. Freiburg setzt dabei explizit auf die Ansiedlung innovativer Unternehmen und wirbt, unter anderem durch die Anwesenheit auf einer solchen Messe, offensiv um neue Ansiedlungen. Das Freiburger Motto „Grüne Städte sind wachsende Städte“ dürfte in Zukunft immer weiter an Bedeutung gewinnen.

Innovationstechnisch fand ich neben einer Reihe von Speichern, die ich als nicht Physiker nicht mal im Ansatz verstanden habe, vor allem eine Neuerung interessant. Die Firma „beam reach solar“ aus Kalifornien stellte auf der Messe unter meiner Anwesenheit ihre „Weltneuheit“ erstmals der Öffentlichkeit zur schau. Es handelte sich dabei um ein Solarpanel, welches mit einem Gewicht von 17kg und einfachsten Verschlusstechniken ohne viel Aufhebens auf dem Dach angebracht werden kann. In der vorgeführten Show Installation war der Aufbau eine Sache weniger Minuten. Die Firma büßte dann zwar noch ein paar Sympathien bei mir, die Panels werden in Thailand und Vietnam produziert und warten in Deutschland noch auf die Zulassung, dennoch denke ich das die Aussicht, das man als Heimwerker sich eine Palette dieser Module liefern lässt oder im Baumarkt erwirbt und in Ikea Manier zusammensteckt ganz neue Möglichkeiten erschließt, der Heimwerkerbegeisterte Deutsche lässt grüßen.

Ansonsten zeigte mir die Messe einmal mehr wie sehr das „Baby Solarbranche“ mittlerweile groß geworden ist, auf eigenen Beinen steht und anfängt das große Spiel mitzuspielen. Es ist nicht schlecht wenn sich neue, zukunftsweisende Brachen emanzipieren, dennoch denke ich mit Blick auf die Messe das wir hier wachsam sein sollten. Die Solarenergie ist nicht zuletzt durch staatliche Subventionen groß geworden und hat es geschafft eine ernsthafte Konkurrenz zu Kohle- und Atomstrom zu werden. Eine so große Konkurrenz, das eben diese in die Solarenergie einsteigt, Start Up’s aufkauft und eigene Konzepte entwickelt, oder dem Prestige halber wenigstens so tut. Es gilt diese Branche nun in den Schienen der Nachhaltigkeit zu halten, verlockend ist die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit durch die Produktion in fern Ost oder die Ausbeutung von Ressourcen. Um nachhaltig Energie zu produzieren muss auch die Herstellung und der Vertrieb der Energieerzeuger nachhaltig verlaufen. Das sollten wir bei unserer zukünftigen Subventionspolitik für Solarenergie bedenken.