Erwachsenen Bildung in der Kita ?!!

Lokales Pilotprojekt zur Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Energie und natürlichen Ressourcen im Kindergartenalter.

“Grüne Energiezwerge unterwegs“ ist zunächst "nur" ein kleines, lokales Pilotprojekt zur Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Energie und natürlichen Ressourcen im Kindergartenalter. Die Ergebnisse sollen aber in eine publizierte Handreichung für Erzieher*innen münden und dürften daher eine beträchtliche Breitenwirkung entfalten. In Kooperation zwischen der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) und dem gemeinnützigen Verein Klimaschutz Göttingen wurden 2014/15 die Fundamente gelegt. Dabei ist die LEB Partner*in im Projekt "Schaufenster Elektromobilität" der Bundesregierug. Konzipiert und durchgeführt wurden die fünf halbtägigen Spiel- und Lerneinheiten durch Jana Ballenthien (Soziologie, Naturpädagogik), Sarah Este (Kulturantropologie) Prof. Rainer-W. Hoffmann (Soziologie, Klimapädagogik) und Christopher Hoyer (Soziologie, Permakultur).

Als Zielgruppe war der Kindergarten und damit das Alter von drei bis sechs festgelegt. Die auf den ersten Blick merkwürdige Hinwendung der Erwachsenenbildung zu dieser Altersgruppe erwuchs aus einer Hypothese, die sich im Verlauf erhärtet hat. Das übliche Modell (Lehrende und Lernende sind Erwachsene) kann in der Klimapädagogik durch ein Zwischenglied in seiner Wirksamkeit verbessert werden. Das Bildungsangebot wird zunächst an Erzieher*innen in Kitas adressiert, die dann Kinder unterrichten. Der gesteigerte Wirkungsgrad bei dieser mehrstufigen Kommunikation ergibt sich aus dem Zusammenwirken von vier Faktoren. (1) Statt der bekannter Maßen schwierigen Bewusstseinsveränderung wird hier eine grundlegendere Bewusstseinsbildung von Anfang an erstrebt. (2) Indem die Erzieher*innen größere Gruppen ansprechen, ergeben sich quantitative Multiplikatoreffekte. (3) Hinzu kommt ein deutlich erhöhter Grenznutzen: jeder Erfolg bei den Kleinen hat allein aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung nachhaltigere Effekte als jede "Bekehrung" von Erwachsenen. (4) Schließlich ist es wahrscheinlich, dass die neuen Erfahrungen der Kleinen auch für die Eltern (teilweise) neu sind und u.U. aufgegriffen und verarbeitet werden.

Sowohl das Thema als auch die Zielgruppe waren sowohl für die LEB als auch für Klimaschutz Göttingen Neuland, das nach vorbereitenden Interviews über die bisherige Praxis behutsam betreten wurde. Alle Beteiligten hielten die pädagogischen und didaktischen Herausforderungen für sehr hoch.

Der größere Rahmen dieses kleinen Vorhabens sei ergänzend skizziert. Im eingangs erwähnten Projekt “Schaufenster Elektromobilität“ der Bundesregierung werden über mehrere Jahre hunderte von Vorhaben unterstützt, darunter eines zum Aufbau einer einschlägigen Infrastruktur im ländlichen Raum. Dieser Bezug auf die E-Mobilität hat die Herausforderungen noch einmal vergrößert.

Als Teilziele der fünf Spiel- und Lerneinheiten sollen die Kinder unterschiedliche Energieformen kennenlernen und den Klimawandel nebst Folgen exemplarisch verstehen.
Die Arbeitstitel dieser auf fünf Wochen verteilten Einheiten lauten:
1. Wozu brauchen wir Strom?
2. Woher kommt der Strom – endliche und unendliche Energieressourcen I?
3. Klimawandel: was passiert, wenn es überall wärmer wird?
4. Woher kommt der Strom – endliche und unendliche Energieressourcen II?
5. Mobilität im Alltag – immer unterwegs!
Die wesentliche Ideenbrücke, die vom normalen kindlichen Spiel über das Kennenlernen alternativer Energieerzeugung zur E-Mobilität führt, sei exemplarisch dargestellt. Teils im Kindergarten und teils in der Natur wurde durch das Basteln von Wasserrädern und Windmühlen die Basis gelegt: eine LED konnte mit einem selbst gebauten Mini-Kraftwerk zum Leuchten gebracht werden. Später wurde eine Exkursion zu einem Wasserkraftwerk alten Typs ("sichtbares Mühlrad") durchgeführt, bei dem die Kinder ohne weiteres verstanden haben, dass hier "in groß" passiert, was sie zuvor "in klein" selbst entwickelt hatten. Als Festigung wurde diese Parallele noch einmal gezogen: mit Wasserflasche, steckbaren Kunststoffrohren und einem Sandkastenspielzeug wurde "vor Ort" ein weiteres "Kleinstkraftwerk" gebaut und betrieben. Der zusätzliche pädagogische Clou der gesamten Anordnung bestand darin, dass die Exkursion mit einer regelrechten Karawane von E-Autos durchgeführt wurde, so dass die Kinder auch die neue Erfahrung eines zügigen, dabei abgasfreien Transports mitnehmen konnten.

Auf diese Art konnten die eingangs umrissenen großen Herausforderungen überraschend gut gemeistert werden. Die folgende Unstimmigkeit im Gesamtkonzept wird im kommenden Durchgang überwunden werden. Der Versuch zur spielerischen Erzeugung von Strom mit Wasser war wegen zu niedriger Drehzahl misslungen, so dass der erste Pfeiler besagter Ideenbrücke brüchig war. Und bei dem besuchten Wasserkraftwerk gab es (noch) keine Ladestation für E-Autos, so dass die sinnliche Wahrnehmung des gesamten Kreislaufs von der umweltfreundlichen Energieerzeugung bis zur umweltfreundlichen Mobilität gestört war.

Das Defizit auf der Erzeugungsseite ist durch einen Hinweis eines hervorragenden Spielzeugherstellers bereits so gut wie überwunden: unser nächstes Wasserrad wird einen Nabendynamo aus dem Fahrradbereich antreiben, der schon bei niedriger Geschwindigkeit LEDs zum Leuchten bringt. Die fehlende Ladestation ist ein untergeordnetes Problem, das durch einen Zwischenstopp leicht zu lösen sein wird.

Abschließend erlauben wir uns den Hinweis, dass die vorgestellte Ideenbrücke auch für die Windkraft benutzt werden kann: Pustewindmühle + Generator + LED, später Windkraftanlage, möglichst mit Ladestation. Für die übrigen gängigen Erneuerbaren (Photovoltaik, Geothermie, Biogas) kann dieser Weg aufgrund zu großer theoretischer Komplexität bislang nicht beschritten werden, wir freuen uns aber über Hinweise und Ideen.

Helfer

Menschen die sich bei diesem Projekt engagiert und zur seiner Realisierung beigetragen haben.
Rainer-W. Hoffmann
1. Vorsitzender
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Rainer-W. Hoffmann

1. Vorsitzender

Chris Hoyer
Vorstand bis 2014 & Bufdi 2013
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Chris Hoyer

Vorstand bis 2014 & Bufdi 2013

Jana Ballenthien
Naturpädagogin
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Jana Ballenthien

Naturpädagogin

Info

Stand: abgeschlossenes Projekt

GöttingenStandort

LEB - Ländlichen ErwachsenenbildungFinanzierung

Grüne Energiezwerge Unterwegs (pdf, 4.19 MB)Anhang